• Update 2021: Registrierungen im Forum sind nun wieder möglich und alle Funktionen nutzbar! Viel Spaß!

    Wir suchen neue Werbepartner für unser Forum. Bei Interesse bitte unter office@katzenforum.at melden.

Eine Geschichte!

Blackstill

Hauskatze
Hallo Leute,

ich hab vorige Woche diese Geschichte gehört, fande sie dabei auch traurig, interessant und wollte sie euch nicht vorenthalten!
Sie ist nicht von mir und der Verfasser ist unbekannt!


Es war einmal ein Bauer mit einem großen Bauernhof.
Dort lebten Gänse, Enten, Hühner, Ziegen und Kühe.
Außerdem wohnten auf dem Bauernhof viele Katzen, die die Mäuse fingen und auf den Wiesen spielten.
Der Bauer mochte Katzen nicht besonders, aber er tolerierte sie. Er besaß auch einen großen Hund, den er manchmal auf die Katzen hetzen wollte, wenn sie ihn zu sehr störten. Aber der Hund war zu alt und zu gutmütig, um den Katzen etwas zu tun.
Wenn der Bauer die Katzen mit der Mistgabel verletzen wollte, sprangen sie einfach davon.


Nun, in einem Sommer, wurde eine schwarze Katze trächtig. Auf dem Heuboden fand sie einen sicheren Ort und brachte ihre vier Jungen zur Welt.
Die kleinen Kätzchen waren etwa vier Wochen alt, als dem Bauer auffiel, wie die Mutterkatze wiederholt in seinen Schuppen ging. Er schöpfte Verdacht und beschloss, diesem nachzugehen.
So stieg der Bauer mühsam die Leiter hinauf und hörte ein leises, hohes Miauen. Das Geräusch machte ihn wütend, und er suchte solange nach den Kätzchen, bis er sie zusammengekuschelt in einer kleinen Heugrube fand. Eins war gestreift, zwei waren schwarz-weiß gefleckt und es war auch eine dreifarbige dabei.


„So ist das also“, schnaubte der Bauer. „Es gibt von euch schon viel zu viele hier. Noch habt ihr keine Ente und kein Huhn gerissen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihr das schafft. Außerdem seid ihr mir einfach lästig. Ich habe euch verdammt noch mal nie erlaubt, auf diesem Hof zu leben, und trotzdem tut ihr es. Das wird seine Konsequenzen haben!“


Nachts konnte er eine Weile nicht einschlafen, da in seinem Kopf ein Gedanke kreiste. Erst schob er den Gedanken beiseite, da der Gedanke selbst einem grimmigen Mann wie ihm zu böse war. Aber als er am nächsten Morgen erwachte, war der Gedanke bereits zu einem Plan gereift.
Der Bauer nahm einen alten Schuhkarton. Damit kletterte er die Leiter zum Heuboden herauf. Wieder waren die Kitten alleine, weil die Mutter gerade auf Jagd war. In seinem Hass nahm der Bauer eine kleine Katze nach der anderen und stopfte sie alle in den Karton. Sie maunzten, aber sie konnten sich nicht wehren.


Der Bauer trug den Karton zum Fluss hinunter. Auf dem Weg dorthin hatte ihn die Mutterkatze entdeckt. Aus einer untrüglichen Intuition heraus spürte, roch oder hörte sie, dass ihre Kinder im Karton waren. Sie lief dem Bauern hinterher, miaute und fauchte. Sie ahnte die Gefahr und hatte um ihre Jungen schreckliche Angst.


Als der Bauer am Flussufer stand, holte er aus und warf den Karton in die Fluten.
Die Mutterkatze stand stocksteif auf der Stelle. Der Bauer ging zufrieden zurück und machte sich an die alltägliche Arbeit. Die Mutter saß in unsäglicher Verzweiflung noch bis zum Abend am Ufer. Sie beweinte stumm ihre Kinder, die alle im Fluss ertrunken waren.


Nach ihrem Tod am Morgen hatten die Geister der vier kleinen Katzen noch eine Weile über dem Fluss verweilt. Sie besprachen sich und entschieden, dass sie in so einer grausamen Welt nichts mehr zu suchen hatten. Drei von ihnen stiegen zum Himmel empor. Doch der Geist der dreifarbigen Katze konnte das Leid ihrer Mutter nicht ertragen. Er blieb am Ufer, um der Mutter Beistand zu leisten. Doch diese war so erfüllt von Trauer, dass sie den kleinen Geist nicht bemerkte.


Spät nachts trottete die Mutter nach Hause auf den Heuboden und legte sich ins leere Nest ihrer Kinder, das noch den Geruch von ihnen trug. Der Geist der kleinen Katze folgte ihr und wachte über sie, als sie schlief.
Am nächsten Tag ging die Mutter zurück zum Fluss, wo sich das Unglück ereignet hatte. Sie schaute den ganzen Tag nur aufs Wasser. Sie hoffte, ihre Kinder würden wieder lebendig werden. Aber eigentlich wusste sie, dass diese Hoffnung vergeblich war.
So ging es viele Tage. Die Katzenmutter trottete morgens ans Ufer und kehrte abends zurück. Sie wurde immer dünner und abgemagerter. Die wenigen Mäuse, die sie fing, reichten kaum aus, um sie zu ernähren.


Der Geist des Kätzchens konnte das schwer mitansehen. Wie gerne wollte er seiner Mutter mitteilen, dass seine Geschwister schon im Himmel waren und sich seine Mutter keine Sorgen machen musste. Doch ihre Trauer ließ keinen Kontakt zur Geisterwelt zu.
Es wurde Herbst. Der Bauer veranstaltete zum Erntedankfest eine Feier in seinem Haus und lud viele Gäste ein. Dort trank er jede Menge Alkohol und erzählte stolz, wie er im Sommer die lästigen Kitten beseitigt hatte. Die meisten fanden die Geschichte schrecklich. Doch weil es ihr Gastgeber war, hielten sie lieber den Mund.


Als abends alle Gäste gegangen waren, taumelte der betrunkene Bauer noch einmal zum
Kuhstall, um dort nach dem Rechten zu sehen. Dabei ging er über die Brücke, die über den Fluss führte. Diese Brücke hatte kein Geländer.


Die traurige Mutterkatze trat gerade den Heimweg zurück zur Scheune an, und der Geist der kleinen Katze begleitete sie. Während der Geist dabei über der Mutter schwebte, bemerkte er vom Fluss her den Bauern nahen.


Da der Bauer der erwachsenen Mutterkatze bisher nichts getan hatte, hatte der kleine Geist keine große Angst, dass sich das ändern würde. Vielmehr fiel ihm auf, wie sehr der Bauer schwankte.
Und schon passierte das Absehbare: Mitten auf der Brücke verlor der Bauer sein Gleichgewicht. Er stürzte mit einem lauten Platschen in den Fluss.


Die Mutterkatze wurde von dem Geräusch aufgeschreckt. Es erinnerte sie schmerzlich an das Eintauchen des Kartons, in dem ihre Kinder gewesen waren. Ängstlich und traurig lief sie davon und kletterte zurück in die Scheune.


Der kleine Geist beschloss ausnahmsweise, diesmal erst später zu seiner Mutter nachzukommen. Er beobachtete den Bauern, der verzweifelt schrie und strampelte. Doch seine Kleidung saugte sich mit dem kalten Wasser voll und drohte, ihn in die Tiefe zu ziehen. Er versuchte, das Ufer zu erreichen und sich an den Grasbüscheln aus dem Fluss zu hieven. Aber das gelang ihm nicht.
Da siehst du, wie es ist, dachte der kleine Geist. Jetzt wirst du qualvoll ertrinken, genau wie meine Geschwister und ich.


Doch nach kurzer Zeit, als der Bauer schon schwächer wurde, bekam der Geist plötzlich Mitleid. Er sah, dass der Bauer auf einen rettenden Strauch zutrieb, dessen Äste vom Ufer in den Fluss ragten. Doch der Bauer bemerkte den Strauch nicht.
Da schwebte der Katzengeist zum Bauern herab. „Du musst den Strauch dort greifen“, sagte er zu ihm.


Die Todesangst des Bauern hatte seinen Sinn für die Geisterwelt aktiviert. Er starrte den kleinen Geist erschrocken an. Schnell erkannte er, dass es die kleine dreifarbige Katze war, die er im Sommer ermordet hatte.
„Der Strauch“, wiederholte der Geist. Dem Bauern blieben nur noch wenige Sekunden. Es war seine letzte Chance.
Der Bauer drehte sich im Wasser um. Mit beiden Händen griff er in die Zweige und klammerte sich fest. Er zog sich mit all seiner Kraft ans steinige Ufer. Damit war er gerettet.
Er hustete und fror jämmerlich. Ungläubig sah er den Geist an, der ihm das Leben gerettet hatte. „Wieso hast du mir geholfen?“, fragte er. „Ich habe euch ertränkt!“
„Du hast deine grausame Tat also eingesehen?“, sagte der kleine Geist.
Dem Bauern liefen die Tränen übers Gesicht. „Ja, das habe ich! Ich habe so Schreckliches getan. Ich schäme mich. Ich weiß nicht, wie ich es jemals vergelten kann.“
„Behandle ab jetzt alle Katzen gut und sei lieb zu ihnen.“
„Das werde ich“, schluchzte der Bauer. „Nie wieder werde ich so grausam sein.“ Der kleine Geist, der in seine Gedanken sah, erkannte, dass der Bauer die Wahrheit sprach.
Zitternd schleppte sich der Bauer zurück in sein Haus. Er wusste, dass er dieses Erlebnis nie mehr vergessen würde. Es hatte ihn verändert.


Der kleine Geist schwebte zurück zu seiner Mutter. Diese schlief bereits. Er tauchte in ihrer Traumwelt auf und versuchte, ihr Botschaften zu senden. Er wollte doch, dass seine Mutter wieder glücklich war. Aber die traurige Mutterkatze bemerkte diese Botschaften nicht.
Eine Woche später lief die Mutterkatze dem rot-weißen Kater wieder über den Weg, der der Vater ihrer Kinder gewesen war. Er spürte ihre Trauer und kuschelte sich eng an sie.


Bald darauf wurde die Katze erneut trächtig. Doch sie hatte furchtbare Angst, der Bauer würde auch diese Kinder wieder töten.
„Ich werde von hier weggehen“, sagte sie zum Kater.
„Ich begleite dich“, antwortete er. „Wir suchen uns einen neuen Bauernhof und fangen gemeinsam ein neues Leben an.“


Als die Katze am Abend auf den Heuboden zurückkehrte, fand sie ein Schälchen Wasser vor. Daneben lagen in einem Napf ein paar gekochte Stückchen Hühnchen.
Sie hatte riesigen Hunger und fraß alles auf. Danach fragte sie sich, wer das Essen dorthin gestellt hatte. Dem Bauer traute sie es überhaupt nicht zu. Aber er war der einzige Mensch, der hier lebte. Seine Frau war schon lange verstorben und seine Kinder, so erzählten die anderen Katzen, waren von hier fortgezogen.
Da bekam die Mutterkatze Panik. Vielleicht wusste der Bauer von ihrer Trächtigkeit und hatte das Hühnchen vergiftet!


Aber als sie am nächsten Morgen erwachte, ging es ihr gut.
Wieder verbrachte sie den Tag am Fluss. Ihre Trauer war noch immer da.
Am Abend fand sie erneut Wasser und Hühnchen. Sie freute sich darüber und aß es. Auch an den nächsten Tagen stand das Essen bereit.
Da schmiedete die Katze einen Plan und kam früher nach Hause. Sie versteckte sich im Gras und beobachtete den Eingang der Scheune.
Sie traute ihren Augen kaum: Es war tatsächlich der Bauer, der hineinging und ohne die Schälchen wieder herauskam. Dabei hatte er einen Gesichtsausdruck, den sie von ihm nicht kannte. Er sah überhaupt nicht mehr böse aus!
Sie erzählte es dem Kater.
„Ich habe es auch bemerkt“, sagte dieser. „Er hat mir neulich Fisch gegeben. Und er versucht gar nicht mehr, uns mit der Mistgabel zu verscheuchen.“


Die Katze schöpfte ein kleines bisschen Vertrauen zu dem Bauern. Trotzdem wollte sie gerne in eine neue Heimat aufbrechen, um auf Nummer sicher zu gehen. Aber bald schon kam der Winter und Schnee lag über dem Land. Die Katze war währenddessen hochschwanger geworden. Da beschlossen sie und der Kater, dass eine solche Reise zu mühsam war.


Die Katze blieb auf dem Hof und brachte wieder ihre Jungen auf dem Heuboden zur Welt. Es waren diesmal drei. Eines war gestreift und zwei waren schwarz-weiß gefleckt.
„Sie sehen aus wie unsere vorherigen Kinder“, sagte die Katze entzückt, aber auch traurig zum Vater der Kitten. „Nur meine dreifarbige Tochter ist nicht dabei.“
Die Kätzchen wurden immer größer und pelziger. Sie öffneten ihre Augen und lernten Laufen. Die Mutter hatte nun weniger Zeit, an den Fluss zu gehen. Sie trug ihre anderen Kinder im Herzen, und ihre Trauer nahm ab.


Der Bauer ließ die Katzenfamilie in Frieden. Er brachte ihnen sogar Essen und Wasser. Aber weil er das leise Miauen gehört hatte und die Mutter nicht erschrecken wollte, stieg er nicht hinauf und stellte die Näpfe stattdessen nach unten.
Das Herz der Mutterkatze wurde leichter.


In einer Nacht, als das Eis schon taute, begab sich die Mutter das erste Mal seit vielen Wochen wieder nach unten an den Fluss. Sie blicke auf die glitzernde Oberfläche und dachte an ihre ersten Kinder.


Der kleine Geist erschien vor ihr. Und endlich konnte sie ihn sehen.
„Mein Kind!“, rief die Mutterkatze. „Warst du etwa die ganze Zeit bei mir?“
„Ja, Mama“, antwortete der Geist. „Ich wollte dich trösten und habe über dich gewacht.“
Sie wollten sich in die Arme nehmen, aber das gelang nicht. So kamen sie sich so nah, wie sie konnten.
„Meinen Geschwistern geht es gut“, erzählte der kleine Geist. „Sie sind damals zum Himmel aufgestiegen. Vielleicht sind sie ja wieder hier, in Form deiner neuen Kinder. Verstehst du, Mutter? Du hast nun keinen Grund mehr, unglücklich zu sein.“
„Was ist mit dir, mein Schatz? Wirst du nun auch in die andere Welt übergehen?“
„Ja, das werde ich. Und vielleicht komme ich wieder, wenn du das nächste Mal Kinder hast. Du musst dir keine Sorgen machen. Du bist niemals allein.“


Die Mutterkatze lächelte aus ganzem Herzen.
Der Geist löste sich von der Welt und stieg auf!
 
Oben