Einstellung zur ,,Katzenhaltung" am Land

#1
Hallo meine Lieben!
Ich bin ja noch nicht lange im Forum und gerade am durchlesen, der alten Threads. Vor allem ,,das heiße Pflaster" hat es mir angetan. :p

Nun möchte ich aus gegebenem Anlass, auch meinen Senf dazugeben:

Ich war gestern zu Besuch, bei meinen Verwandten. Wir haben bis auf Familienfeiern, eher wenig Kontakt. Da sie auch eine Katze ,,halten" wollte ich mich als Katzen-Neuling, gerne ein wenig austauschen. Dabei sind wir aber auf einige Differenzen gestoßen. :confused:

Meine Verwandten leben am Land und haben die Grundeinstellung: Eine Katze ist zum Mäusejagen da!

Im Haus gibt es keine Hinweis drauf, dass hier eine Katze lebt, wie z.B. Katzenklo, Kratzbaum oder Spielzeug.

Die Katze schläft Nachts draußen. (Auch im Winter!)

Es gibt keine regelmäßigen Impfungen/TA-Checks. Wenn die Katze krank wird, wird abgewogen ob es billiger ist sie ,,zu Erlösen".

Die Katze wird zwar gestreichelt und gefüttert, aber es wird nicht gekuschelt oder gespielt und immer wieder betont, dass es eine Katze/Tier ist.

Trotzdem macht die Katze einen Gesunden Eindruck. Ich will ihnen nichts schlimmes Unterstellen und glaube auch nicht, dass sie es böse meinen. Aber ich musste mich, beim Diskutieren, einige Male echt beherrschen. :mad:

Diese Art der der ,,Haltung" scheint in der ländlichen Gegend normal zu sein. Ich hingegen gelte dort eher als ,,Tier-Spinner". Auch die ebenfalls anwesenden Nachbarn, haben mich nur belächelt.

Das beste war aber, dass ich als seltsam dargestellt wurde, da ich mein ,,armes Tier" vermenschlichen würde?!

Irgenwie tut mir die Katze leid. Ich beruhig mich mit dem Gedanken, dass im Süden auch nicht hinter jeder Streunerkatze ein Pfleger sammt TA nachläuft. Warum man sich aber ein Haustier hällt, (im Haus gibt es sicher keine Mäuse) wenn man jegliche Art der Pflege ablehnt, verstehe ich nicht! o_O

Wie seht ihr die Sache und wie hättet ihr an meiner Stelle reagiert?

Ich freu mich auf eure Meinungen!
Alles Liebe eure Nina
 
#2
Liebe Nina,

bin vom Wiener Umland aufs "echte" (manche mögen es auch "tiefstes") Land gezogen, wo ich nun schon seit über 20 Jahren wohne.
Diese Haltung, die Du schilderst, ist hier tatsächlich noch SEHR verbreitet, obwohl es in einigen wenigen Fällen auch schon ein Umdenken gibt. Auch bei den viel gescholtenen Bauern, die ich nicht alle in einem Topf werfen will, gibt es löbliche Ausnahmen.
Ein Glück für die Katze Deiner Verwandten, dass sie derzeit noch gesund ist. Aber die Frage stellt sich wirklich, was denn passiert, sollte sie einmal krank werden - was früher oder später meistens der Fall ist.
Dass die Katze draußen schläft finde ich jetzt nicht schlimm, solange es ein windgeschützes Plätzchen ist. Nicht jeder hat eine beheizte Gartenhütte für Streuner so wie wir ;-)
Spielsachen & Klo finde ich als Freigängerin (wo sie's auch nicht gewöhnt ist) nicht schlimm.
Was mich persönlich sehr aufregt, sind diese Kosten-Nutzen-Rechnungen bei Lebewesen. Das geht in meinen Augen gar nicht. Weil das wird dann bei jeder chronischen Erkrankung schlagend. Dabei leben Katzen auch damit sehr gut & oft auch lange. Spreche da aus eigener Erfahrung.
Ich glaube das einzige, was Du in diesem Fall anbieten kannst ist, dass sie sich an Dich wenden, wenn diese Katze krank ist und dass Du dann mit ihr zum TA gehst (und wahrscheinlich auch die Kosten übernimmst). Könntest Du diese Katze notfalls übernehmen, falls sie krank wird und sie deshalb eingeschläfert werden soll? Vielleicht kannst Du dir ein "Nofall-Konzept" überlegen?
Ich habe sogar in meinem Arbeitsumfeld von Kollegen gehört: Wahnsinn, ich hab 90,-- fürs Einschläfern gezahlt. Quasi Wucher. Das sind die Leute, die das große Glück hatten, nie ein krankes Tier über einen längeren Zeitraum versorgen zu müssen.
Es werden am Land immer noch ungewollte Hunde + Katzen erschossen. Und das in einem scheinbar zivilisierten Land...
 
#3
Ja die Einstellung zu Tieren am Land ist so ein Thema.

Auch in meiner Verwandschaft wird es normal gesehen, dass eine Katze nur draußen ist und im Heuboden schläft. Sie haben es dort auch warm.

Eine gewisse medizinische Versorgung, eine rasche Kastration von kleinen Katzen und auch regelmäßiges Füttern, würde ich dennoch als notwendig sehen.

Ich habe letzten Sommer eine kleine Katze mit verklebten Augen die alleine beim Hof meiner Eltern aufgetaucht ist, quasi einkassiert und bin mit ihr zum Tierarzt.

Die Katzenmama war wahrscheinlich eine wild lebende Bauernhofkatze von Nachbarn.

Das Kätzchen hätte dort bleiben können, aber ich hätte keine Kontrolle über den Zeitpunkt der Kastration gehabt und es befindet sich eine stark befahrene Straße daneben.

Da sie wegen der Augen einige Zeit mehrmals täglich eine Salbe gebraucht hat und auf Grund des geringen Gewichts aufgepäppelt werden musste, haben wir sie mitgenommen und nach einigen Wochen Quarantäne mit unseren vergesellschaftet.
 

catattack

Katzenjunges
#4
Ich komme ursprünglich auch vom Land, wo nur einmal die Stunde der Zug hält, und selbst der entscheidet sich ab und zu dazu doch einfach gar nicht zu kommen.
Der damalige Freund meiner Schwester kommt von einer alt eingesessenen Bauernfamilie, die noch viel ländlicher lebt. Die haben es damals ganz genau so gehandhabt und ihnen war es sogar viel zu teuer ihre Katze kastrieren zu lassen.. Für meine Schwester gab es da leider die ein oder andere Schocksituation, bei der sie mit Tränen in den Augen nach Hause gekommen ist. Für viele sind Katzen leider nach wie vor nur Nutztiere, die Mäuse fernhalten und sie haben gar keinen „familiären“ Bezug zu ihnen..
Bei uns sieht das ganz anders aus, der Kater übernimmt die Couch und wir weichen bei einem Familien-Filmabend auf den Boden aus ;)
Aber zum Glück gibt es sogar hier immer mehr Organisationen, die sich genau für solche (Halb)Streuner einsetzen!
Alles Liebe
 
#5
Hallo ihr Lieben! Bin etwas länger weg gewesen...also vielen Dank für die ganzen Antworten im Nachhinein! :D

Ersten mal bin ich sehr froh, dass ich nicht die Einzige ,,Verrückte" bin, die so eine Haltung fragwürdig findet.

Das Thema ist leider zum Dauerbrenner in meiner Familie geworden. Dabei sind die Zwei Besitzer ÜBERZEUGT davon, alles richtig zu machen. Katzen gehören laut ihnen nach Draußen. Alles andere wäre Tierquälerei!

Was die Kosten-Nutzen-Rechnung angeht, Stimme ich Mayday total zu. Neben mittlerweile 2 Katzen leben bei mir auch einige Kleintiere. In diesen Fällen wäre ein Neukauf immer billiger. Auch so ein Argument, dass mich in den Wahnsinn treibt. :mad:

Meiner Tante scheint die Katze aber am Herzen zu liegen. Ich habe schon mehrfach angeboten, zu helfen, sollte einmal ein TA benötigt werden. Sie hat versprochen, sich in so einem Fall, an mich zu wenden. Dass ich dann, die Kosten tragen werde ist mir durchaus bewusst... Ich hoffe nur, dass sie eine Erkrankung auch rechzeitig erkennen würden.

Daweil ist die Katze ja noch sehr jung. Irgenwie beschleicht mich aber das Gefühlt, dass sie eines Tages bei mir landen wird, wenn sie nicht mehr so pflegeleicht ist. :p

Liebe Grüße Nina
 
#6
Hallo ihr Lieben!

Hab leider ein nicht so tolles Update, von besagter Bauernkatze:

Als ich vor ein paar Tagen, wieder zu Besuch war ist mir aufgefallen, dass die Katze extrem dünn geworden ist. Irgenwie hat sie eine komische Körperform. Der Bauch ist rund und sieht voll aus. Rücken, Kopf und Beine sind dafür so dünn, dass man die Knochen sehen kann. :confused:

Obwohl ich Angst hatte, wieder einen Streit anzufangen, habe ich meine Tante darauf angesprochen.

Sie meinte, dass es ihr auch aufgefallen wäre. Hin und wieder würde die Katze auch erbrechen. Sie war aber der Annahme, sowas wäre bei Katzen normal! :eek:

Dann hat sie mir angeboten, ich könnte ja einmal mit ihr zum TA gehen, wenn ich Lust dazu habe....

Was soll ich dazu sagen? Einerseits wäre ich froh, der Katze helfen zu können. Andererseits glaube ich nicht, dass es viel nützen würde!

Meine Tante glaub nämlich, dass man einmal zum TA geht und ein Wunder passiert.

Ich denke, dass in diesem Fall einige Dinge abgeklärt gehören und mehrer Besuche notwenig sind. Sowas wollten die Zwei aber nicht wahrhaben. Was ich mit meinen Tieren ,,aufführe" wäre ja pure ,,Quälerei"! Laut ihnen kann man es einmal probieren, wenn es dann nicht besser wird, sollten man ein Tier von seinem Leid ,,erlösen"...

Sie haben keine Antwort auf die klassischen TA-Fragen wie:
• Ist die Verdauung normal ?
• Wie oft erbricht die Katze ?
• Wie viel frisst sie ?
• Wie viel hat sie abgenommen ?

Für Beobachtungen dieser Art (und einer eventuellen Medikamentengabe) müsste die Katze wohl eine Zeit lang ins Haus. Bei ihnen ein absolutes No-Go....

Außerdem würde mein TA wohl ein besseres Futter empfehle. Laut meinem Onkel ist alles außer KiteKat sooooo teuer...

Macht ein einmaliger TA-Besuch bei so viel Beratungsresistenz überhaupt Sinn, oder stresse ich die Katze damit nur unnötig? :mad:

Bin gespannt auf eure Meinungen!
Eure Nina
 
#7
Es würde meiner Meinug schon Sinn machen, mit der Katze zum Tierarzt zu fahren, zumal leider auch FIP mit einen "dicken" mit Flüssigkeit angesammelten Bauch und sonst extremen Dünnsein einher gehen kann. Aber es könnte natürlich auch eine andere Krankheit dahinter stecken.
Im schlimmsten Fall würde der Tierarzt sie zumindestens erlösen und ihr so noch Qualen ersparen.

Leider gibt es noch viele Menschen, die so denken.
Die nicht daran denken, das auch ein Tier krank werden kann und genauso darunter leiden kann, wie ein Mensch.
Und das ein Tier genauso, oft auch längere Behandlungen braucht, genauso wie ein Mensch, der auch nicht von einem Arztbesuch sofort gesund wird.

Alles Gute für die Katze.
 
#8
Hallo Hope!
Danke für deine Antwort! :)

Übergeben tut sie sich schon einige Monate, immer wieder. Auch das auf und ab mit dem Gewicht, wäre bei ihr angeblich ,,normal".

Ich denke nicht, dass es FIP oder einen andere tötliche Krankheit ist. Vorallen bei FIP soll es ja recht schnell gehen.

Wie soll ich es sagen...
Sie wirkt schon vernachlässigt (leicht verklebte Augen/Nase, struppiges Fell), aber nicht todkrank. Eher als hätte sie ein chronisches Problem oder ist einfach allgemein gesundheitlich angeschlagen. Meine beiden Katzen, waren als sie zu mir gekommen sind, in ähnlicher Verfassung. Fressen tut sie jedenfalls. Vom Verhalten deutet, soweit ich es beurteilen kann, nichts auf Schmerzen hin. :confused:

Wenn der TA sie erlösen würde, wäre die Sache für meine Verwandte damit ,,erledigt". Ich würde die Entscheidung des TA akzeptieren (müssen).

Ich fürchte mich eher vor dem Szenario, wo der TA eine längere Behandlung vorschlägt... :(

Wenn die Zwei nicht mitmachen, stehe ich mit der kranken Katze da. Was soll ich dann machen? Die Katze einzuschläfern, obwohl das Problem behandelbar ist, kommt für mich NICHT in Frage!

Aber was dann? Meine Verwanten würden den Zustand wohl so lassen. ,,Es geht ihr ja gut. Sie frisst doch!" Die Katze würde weiter mit (chronischer) Krankheit dahinsiechen.

Wäre es überhaut sinnvoll, wenn ICH die Katze gesund pflege, wenn sich nichts an der Haltung ändert? Ich kann ihnen die Katze ja nicht wegnehmen.

Ich werd mal schauen, ob ich was organisieren kann. Eigentlich habe ich selber jede Menge zu tun, möchte die Katze aber trotzdem nicht leiden lassen. Werde davor aber nochmal, das Gespräch mit den Besitzern suchen! :oops:

LG Nina
 
#9
Liebe Nina,

finde es toll, dass Du Dir so den Kopf darüber zerbrichst *Daumen hoch*
So wie Hope schreibt, könnte es FIP sein. Vielleicht auch ein Schilddrüsenproblem.
Ich finde, das belastendste an der Situation ist doch, dass Du bei den Besitzern auf taube Ohren stößt. Sonst wäre das eigentliche Problem wohl ratzfatz gelöst. Katze zum Tierarzt gebracht, eine - hoffentlich gute - Diagnose erstellt und dann wird behandelt. Für uns hier alle ein normales Prozedere. Aber was machst Du mit Menschen, die gefühlt "von einem anderen Stern" sind... Ich finde, das ist wirklich schwierig. Weil ich mich in diese Denkungsweise so ganz und gar nicht hineinfühlen kann.
Ich hoffe jedenfalls, dass Du mit Deinen Argumenten durchkommst und ihnen die Thematik gut vermitteln kannst. Denn daran scheitert es ja meistens.
Alles Gute für Dein Unterfangen & alles Gute für die kranke Katze!!!
 
#10
Hallo Mayday!
Vielen Dank für deine Antwort!

Du hast das Problem, wirklich gut zusammen gefasst. Eigentlich sind die Zwei, sehr liebe Menschen. Auch wenn es hier, wahrscheinlich anders wirkt. Ich mag sie wirklich sehr gern und will nicht immer mit ihnen streiten. Dass macht es mir noch zusätzlich schwer.

Nur in Sachen Tierhaltung, liegen wir Welten auseinander. :rolleyes:

Eigentlich ist ihnen die Katze nicht egal. Sie sind einfach, in ihren sehr veralteten Ansichten festgefahren. Ich kann mir ja auch regelmäßig Kritik zu meiner Haltung anhören!

Sie denke z.B. das wenn ein Haustier krank wird, ist es der Lauf der Dinge. In ihren Augen leiden kranke Tiere, selbst wenn man sie behandelt. Auch die ,,Erlösung" meines Sorgen-Kater, war schon zur Debatte. Meine Reaktion kann sich jeder vorstellen! :mad:

Ihr Hauptargument ist immer, dass sie ihre Katzen schon seit Jahrzehnten so halten und viele ein hohes Alter erreicht haben. Die anderen hatten zumindest ein schönes Leben... Die heutig Haltung sei übertrieben und reine geldmacherei.

Ein schwieriges Unterfangen....
LG Nina
 
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