Ruhe in Frieden, Zwerg

#1
Hallo,

Sorry, dass ich auf diese Weise ins Forum dazu stoße, aber ich habe vor 3 Tagen meinen Kater Zwerg gehen lassen müssen (zumindest "hoffe" ich dass es auch wirklich notwendig war, denn auch da geistern mir grad Unmengen an Hinterfragungen durch den Kopf).
Zwerg war in etwa 17 Jahre alt, aber meines Erachtens vom Geiste her immer noch um einiges Jünger - eigentlich war er auch körperlich noch sehr vital.
Ich lernte ihn bereits in seinen jungen Jahren (etwa 2002) kennen als eine von 2 Katzen der Freundin eines Kumpels von mir. Er war bekannt für seine Gabe im "Posieren".
Wenige Jahre später ging die Beziehung meines Kumpels in die Brüche und ich behielt Kontakt zu ihm, nicht aber zu seiner - von da an - Ex und deren Katzen.
2010 traf ich sie dann allerdings beim Einkaufen und ging meinerseits ein (in weiterer Folge ebenso glücklose) Beziehung ein.
Zu den beiden Katzen hatte sich in der Zwischenzeit ein weiterer Kater hinzugesellt, ebenfalls ein sehr schräger, aber umso liebenswerterer Typ. Die Beziehung hielt in etwa 3 Jahre und brachte ein zwei Umzüge mit sich. Einer dieser Umzüge hatte auch zur Folge, dass die 3 - bis dahin - Wohnungskatzen erstmals Freigang bekamen. Hier nahm womöglich jedoch auch das Unglück seinen Lauf, welches mich nun 6 Jahre später völlig aus der Bahn geworfen hat:
Thor - der Neuzugang - infizierte sich im Zuge des Freigangs mit FIP, welches scheinbar bereits kurze Zeit später zum Ausbruch kam und ihn über die nächsten Wochen leider auch niederstreckte. Wir separierten Thor von den anderen beiden, es war jedoch recht wahrscheinlich, dass eine Übertragung auf die anderen beiden bereits stattgefunden hatte. Wir ließen auch die anderen beiden Testen und diese Tests fielen "schwach positiv" aus.

Kurze Zeit darauf folgte die Trennung von meiner Freundin. Und da ich den Tod von Thor nur schwer verkraftet hatte, bot sie mir an mir den Zwerg "abzugeben".
Dieses Angebot nahm ich zunächst an (mit der Option, dass ich ihn ihr zurückgeben konnte, wenn dieses Arrangement aus welchen Gründen auch immer nicht funktionieren würde). Und es blieb in weiterer Folge aber auch dabei und so folgten auf 3 Jahre Zwerg IN der Beziehung nun 6 weitere.

Diese 6 weiteren waren zwar außerhalb der eigenen 4 Wände alles andere als immer leicht, aber auf zu Hause und meinen Kater konnte ich mich immer freuen. Und das tat ich auch immer. Und in 6 Jahren bekam ich vom Tierarzt bei Kontrollbesuchen eigentlich immer das Abschlussstatement "Top-fit für sein Alter".

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich ein Mechatronik-Studium begonnen, welches soweit auch relativ gut läuft. Das hatte jedoch zur Folge, dass ich einiges an Zeit investieren musste, auf Kosten der Zeit mit meinem Kater. Und auch auf Kosten eines Routine-Checks beim Tierarzt in diesem Jahr. Ich dachte, wenn er ohnehin immer nur "Top-fit" ist, ist es wohl in Ordnung das Jahr mal nicht einzuhalten.

Und nun, in der letzten Woche vor den Weihnachtsferien traf mich die Erkenntnis: Verminderter Aktivitätsdrang, weniger Appetit, Spieldrang mehr oder minder von einem Tag auf den anderen von normal auf fast Null. Untersuchung und Behandlung gestalteten sich aufgrund der Feiertage und dem ganzen Weihnachtszirkus überaus schwierig. Nach einem Blutlabor am 21. 12. in der Tierklinik, startete der VertretungsTA meiner TÄ am 25. 12. eine Behandlung auf Blasenentzündung, da er ab 24. 12. die Toilette sehr oft aufsuchte, presste, aber dann doch nicht konnte.
Weitere Behandlungen folgten am 27., 29., und 31. 12. Furchtbar hierbei war dieses ständige auf und ab, da das zur Infusion beigegebene Schmerzmittel anscheinend nicht die vollen Tage bis zur nächsten Behandlung anhielt, sondern wohl eher nur die Hälfte. Somit baute sich an den Nachmittagen der Behandlungen Hoffnung auf, die an den Tagen danach immer schnell schwand, weil er da stark zu kämpfen hatte.

Und als ich am 31. 12. mit meiner TÄ bereits über Euthanasie erste Gespräche führte, rechnete ich noch nicht damit, dass am (Vormit)Tag darauf nochmal Hoffnung aufkeimte.
Denn es schien, als hätte er die Blasenentzündung am 1. 1. hinter sich gelassen und er wirkte wieder wesentlich erkundungfreudiger und agiler. Jedoch nur bis etwa Mittag. Es hatte sich in den letzten Tagen auch ein seitlicher Blähbauch entwickelt, der mir jetzt erst als das klar wurde was er möglicherweise sein konnte.
Der Zustand meines Kater verschlechterte sich nach diesen wenigen Neujahrstagstunden rapide und drastisch. Und ich hatte das alles schon mal gesehen: Als vor 6 Jahren Thor zu mir ausquartiert wurde. Schwache Hinterbeine, hinten stark abgemagert, unmittelbar davor aufgeblähter Bauch, Kraftlosigkeit, stark minimierter Ernährungsdrang, Rückzug.
Ich hielt noch eine Nacht durch in dem Vorhaben, dass er am Vormittag evtl nochmal Besserung zeigen würde und ein Ultraschall vielleicht nochmals etwas unerwartet leicht kurierbares zeigen würde. Jedoch war mir am Morgen des 2. klar, dass egal welche Behandlung erforderlich sein würde, ER wahrscheinlich nicht mehr mit machen würde.

So ließ ich Ihn gegen Mittag des 2. 1. in meiner Wohnung euthanasieren und er schlief auf meinem Schoß ein. Ich beschloss ihn kremieren zu lassen, wofür er gegen 18:00 bei mir abgeholt wurde.
Ich musste daher erstmal reißaus nehmen und verbrachte die Zeit bis zur Abholung bei Freunden; die Einäscherung findet am Montag statt.

Ich befinde mich hier nun gegenwärtig an Tag 3 danach und während ich versuche mich positiv nach vorne zu orientieren, hat der heutige Tag wieder um einiges schlimmer begonnen als die letzten beiden. Ich habe den Großteil an Gegenständen aus meiner Wohnung entfernt - es stehen noch ein Kratzbaum (der mich ehrlich gesagt auch nicht so sehr emotional ergreift, wenn ich ihn sehe) und ein fast voller Sack Trockenfutter im Vorhaus.

Schlimmer dagegen finde ich bspw. den Ausfallschritt, den ich mache wenn ich aus der Toilette heraustrete, weil da das Katzenkistl immer stand (welches mittlerweile weg ist). Schlimmer ist es, dass ich die Küchentür zumache, wenn ich die Küche verlasse (was ich nun nicht mehr zu tun brauche). Schlimmer ist einfach die Stille in der Wohnung, die es in der Form einfach nicht gab. Schlimmer ist es, wenn diese Stille durch ein Knacken des Holzbodens oder eines Möbelstücks unterbrochen wird.
Und es gibt noch etliche weitere Beispiele die schlimmer sind, weil sie eben NICHT da sind.

Und ich habe das Problem, dass die Schule am Montag wieder losgeht, ich nun Weihnachts"ferien" hinter mir habe in denen unzähliges zu Erledigen gewesen wäre, während ich die Schule jetzt eigentlich 2 1/2 Wochen komplett ausgeblendet hatte. Und es wartet ein knackiger Prüfungsjänner auf mich. Erwähnt sei vl auch noch, dass ich 37 bin und das Studium selbst finanzieren muss und es eigentlich recht fatal wäre, wenn ich es nicht schaffen würde (oder auch schon wenn ich wiederholen müsste - weil ich nicht weiß ob ich ein zusätzliches Jahr finanzieren könnte).

Dann hab ich das Problem, dass ich als Laie erkannt haben will, dass sein Immunsystem durch die Blasenentzündung und den einhergehenden Stress so geschwächt war, dass die damalige FIP ausgebrochen ist. Durchaus plausibel meinen 2 TÄ, aber im Endeffekt rede ich mir das ein, weil ich mir dann auch einreden kann, dass er keine Chance hatte. Was aber wenn es doch noch was verhältnismäßig harmloses gewesen ist?

Dazu kommt, dass ich mir in meiner gegenwärtigen Studiumssituation eigtl keine Katze nehmen kann für die nächsten 1 1/2 Jahre. Und ich erinnere mich schon daran, dass mir der Zwerg doch maßgeblich über den Verlust von Thor vor 6 Jahren hinweg geholfen hat.

Unterm Strich: Ich habe immense Schwierigkeiten all diese Gegebenheiten momentan unter einen Hut zu bringen.

Ich würde mich über den ein oder anderen Ratschlag freuen.

LG, Moses
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Mi Gato

Energiebündel
#2
Hallo Moses,

es tut mir sehr leid, dass du deinen Zwerg verloren hast.
Zwerg hat viele schöne Jahre bei dir verbracht, und mit rund 17 Jahren war es auch ein durchaus langes Katzenleben. Du hast getan, was in deiner Macht stand, und sobald dir Krankheitszeichen auffielen, für tierärztliche Behandlung gesorgt.
FIP ist - auch wenn die Erkrankung früher diagnostiziert worden wäre - meines Wissens noch immer so gut wie nicht behandelbar, das heißt, auch eine frühere Diagnose beim entfallenen Routinecheck hätte wohl nichts geändert.
So, wie du den Verlauf schilderst, hast du die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, sondern nachdem du wiederholt tierärztliche Behandlung in Anspruch genommen und die Meinung von mindestens zwei Tierärzten eingeholt hast. Wenn die Ursache für die Symptome realistischerweise eine vergleichsweise harmlose Diagnose hätte sein können, dann hätten dich die Tierärzte sicher darauf hingewiesen, dir Behandlungsalternativen vorgeschlagen.
Du hast deinem Zwerg den schwersten und damit auch größten Dienst erwiesen, ihn vor weiteren Schmerzen und einem langsamen, qualvollen Tod bewahrt.

Der Schmerz über den Verlust des geliebten Tieres bleibt, aber mit der Zeit gewinnt die Erinnerung an die guten und schönen Zeiten die Oberhand.
Jetzt ist aber alles noch sehr frisch, jeder Handgriff im Alltag weckt neue Erinnerungen.

Ein Ratschlag für die bevorstehenden Wochen fällt schwer. Ich weiß nicht, ob dir folgende Perspektive helfen kann: Wenn du deine Prüfungen schaffst und dein Studium rasch abschließen kannst, dann hast du auch eher wieder die Möglichkeit, dich um Katzengesellschaft umzusehen.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft für die nächste Zeit, und deinem Zwerg, dass er gut im Regenbogenland ankommt.
 
#3
Hallo Mi Gato,

Vielen Dank für deine Antwort und die mutmachenden Worte.
Ich habe mittlerweile die erste extrem harte (letzte Ferien-)woche und auch die erste Schulwoche hinter mich gebracht. Auch die erste von vier Prüfungen hat bereits am Donnerstag stattgefunden und ich meine sie sogar einigermaßen hingekriegt haben zu können (wirkliches Gefühl hab ich nicht, da es ein recht merkwürdiger Multiple Choice Test war, der meiner Meinung eigentlich nicht zu einem technischen Gegenstand passt).

In der Zwischenzeit wurde mein Zwerg auch kremiert und mir bereits (vorgestern) wieder zurücküberstellt. Nun steht er auf der Wohnwand in einer Urne in Form einer länglichen schwarzen Katze aus Porzellan, und ich weiß auch heute noch nicht wie es mir damit geht. Ich hatte gehofft, dass "seine Rückkehr" befreiender und erleichternder auf mich gewirkt hätte. Jedoch was ich vor einer Woche noch mit dem Schulbeginn einhergehend als Besserung meines Zustands wahrgenommen hätte, kann ich nun eine Woche später nicht mehr mit der selben Überzeugung behaupten.

Die allermeisten "Erinnerungsgegenstände" sind weggeräumt, zwei Kratzbäume zerlegt und entsorgt, das Futtergeschirr abgewaschen und verstaut, übrig sind nur ein fast voller Sack Trockenfutter im Vorraum, ein weiterer Kratzbaum direkt neben meiner Couch (der mich seltsamerweise - so bilde ich mir zumindest ein - kaum stört) und seit 2 Tagen steht nun eben die doch recht geschmackvolle Urne auf der Wohnwand. Dennoch sind es nunmehr schon knapp 4 Wochen an denen ich mind. 1x pro Tag in Tränen bin. Und mittlerweile hat sich ein Gefühl der Surrealität eingestellt: Obwohl ich weiß dass er nicht mehr lebt, vergesse ich das immer noch all zu oft in so unzähligen kurzen Momenten: Essen machen, wenn ich wo ein lautes Geräusch mache, wenn in der Nacht irgendwo ein Möbelstück knarzt,.... Es gibt immer diese kurzen Augenblicke in denen ich vergesse, dass er nicht mehr da is, ihn aber trotzdem einen Augenblick lang erwarte, bevor mir wieder einfällt, dass er nun eben nicht mehr da ist.
Und ich habe das Gefühl, dass sich vorerst kein Weg der Besserung sondern eher ein einstweiliger Dauerzustand eingestellt hat. Und wenn meine nächsten Wochen tatsächlich so aussehen sollten ist das nur noch umso deprimierender.

Deinen Tipp, den raschen Abschluss des Studiums, hab ich mir bereits vor meinem Posting schon genommen. Der Gedanke an eine normalisierte Situation mit Job und (evtl. neuer) Wohnung (evtl auch weiter weg) hat mich zunächst wieder ein wenig aufblicken lassen. Jedoch wird das etwas getrübt, weil es doch noch mind. 1 1/2 Jahre weit weg ist, und weil ich mich frage ob ich eine neue Katze nicht "unfair" behandeln würde. Damit meine ich jetzt nicht auf eine gemeine Art und Weise, aber der Zwerginator war schon eine meines Erachtens "sehr andere" Katze und ich mache mir zur Zeit eben auch darüber Gedanken, ob eine "weniger unterhaltsame" Katze nicht einen schwierigeren, unfaireren Start hätte (den ich eigtl keiner Katze antun wollen würde).
Ich hoffe, dass wird jetzt nicht so abscheulich aufgefasst, wie's klingen kann - ich mach mir eben nur darüber Gedanken, ob mein Zwerg nicht einen zu hohen Stellenwert haben würde, den ich anderen Katzen nicht zumuten sollte.

Ja, derartige Gedanken schwirren mir halt momentan so durch den Kopf - keine Ahnung was davon brauchbar ist und was kompletter Schwachsinn.

Ich mach mich dann mal auf in die dritte Woche und hoffe, dass es wider Erwarten doch kein einstweiliger Dauerstand ist, sondern sich da und dort kleine Zeichen der Besserung zeigen.

Liebe Grüße, Moses
 

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Mi Gato

Energiebündel
#4
Zwerg war viele Jahre lang Teil deines Lebens. Die Trauer um ein geliebtes Wesen schaltet sich nicht einfach aus. Als mein Katerchen über die Regenbogenbrücke gehen musste, hat es auch lange - und mich Sicherheit mehr als vier Wochen - gedauert, bis mein Blick nicht mehr automatisch in regelmäßigen Abständen zur Terrassentür gewandert ist, in der Erwartung, er könne davor sitzen und in die Wohnung wollen, oder ich beim Betreten des Badezimmers automatisch ganz vorsichtig und mit Blick auf den Boden hineingegangen bin, weil er in seinen letzten Monaten sein Katzenklo oft nicht mehr richtig getroffen hat. Selbst ein Jahr später glaubte ich oft noch, ihn auf seinen Lieblingsplätzen im Blumenbeet zu sehen. Und auch heute, zweieinhalb Jahre später, kommen mir manchmal noch die Tränen, wenn ich an ihn denke.
Ich denke, eine gewisse wehmütige Erinnerung wird nie vergehen - aber der Schmerz wird im Laufe der Zeit geringer, und die Erinnerung an die schönen Zeiten hat wieder mehr Platz.

Eine andere Katze kann und wird deinen Zwerg in deinem Herzen nicht verdrängen, und natürlich wird sie nicht so wie er sein. Sie wird ihre ganz eigene Persönlichkeit haben und sich ihren eigenen Platz erobern. Wenn du das zulassen kannst und nicht erwartest, dass sie eine "Kopie" von Zwerg ist, dann wird sie sich bei dir rasch ihren eigenen Stellenwert erobern - ohne dass deswegen jener von Zwerg gemindert wird.
 
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